Netz und doppelter Boden
von Peter · 24. Mai 2026
Auch wenn wir aus der Komfortzone raus sind, verzichten wir nicht auf Annehmlichkeiten. Wir haben eine Heizung und müssen im Winter nicht frieren, wir haben eine Dusche und warmes Wasser, und auch Strom haben wir an Bord, den wir sogar die meiste Zeit des Jahres vollständig autark selbst erzeugen. Wir haben alles, was wir brauchen, und doch von vielem etwas weniger, als wir es gewohnt war. Das geht sich aus!
Wir haben sogar Internet, mobiles Internet, LTE! Damit allerdings verhält es sich umgekehrt proportional zu unserem sonstigen Verzicht: wir brauchen ständig mehr. Denn dort, wo andere Wohnmobilisten die Parkposition ihres Fahrzeugs mehrfach ändern und mit perfekter Sichtverbindung zum ASTRA-Satelliten parken müssen, stehen wir entspannt im Schatten unter Bäumen und sehen uns Filme im Internet an, direkt über unseren LTE-Router. Es gibt die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten, es gibt filmfriend über die Stadtbücherei Münster und nicht zuletzt YouTube, wo besonders ich an den Banden der Suchblase zwischen Polizeivideos, Wohnmobilberichten und Kabarett-Revivals hin- und herpralle. Die Auswahl ist groß, und wir entdecken ständig mehr.
In der Anfangszeit unseres Wohnmobillebens – damals noch auf überschaubar begrenzte Zeit von maximal zwei Wochen Homeoffice aus dem Zirkuswagen – hatten wir einen sündhaft teuren Tarif bei o2 gewählt, bei dem wir für 30 GB Datenvolumen stolze 49,99 EUR bezahlten. Aber das war uns die Freiheit wert. Später wurde es günstiger, bis wir schließlich bei Freenet eine mobile Datenflatrate hatten und im Grunde unbegrenzt unseren hohen Bedarf decken konnten.
Aber jeder Tarif hat irgendeinen Fallstrick, und so war dieser an sich gute und einer Festnetzflatrate preislich ähnliche Tarif so gestaltet, dass man täglich nur die ersten 10 GB ohne weiteres Zutun nutzen konnte und danach immer in 2-GB-Häppchen nachbuchen mussten, wenn auch kostenlos. Neben anderen Ungereimtheiten, wie wir sie aus der Welt des Internets und der dasselbe programmierenden Nerds kennen und resigniert zur Kenntnis nehmen, hatte das aber den Nachteil, dass manchmal mitten im Film die Datenverbindung abbrach und man sich auf den Router aufschalten musste, um eine dort eingetroffen SMS mit der Eingabe „2“ zu beantworten und in eben diesem Umfang Gigabites freizuschalten.
Für unsere Reise außerhalb Deutschlands war dieser Tarif ohnehin ungeeignet, denn beim Roaming – also der Weiterleitung einer heimischen Verbindung ins Ausland – gilt die sog. Fair-Use-Policy. Das bedeutet, dass man im Ausland keinen höheren Verbrauch haben darf, als es dem zweifachen Tarifpreis entspricht. Gesprächsminuten werden mit 0,026 EUR pro Minute gerechnet und Datenvolumen aktuell mit 1,31 EUR pro GB (siehe Bundesnetzagentur). Da wir 34,99 EUR für den Tarif zahlen, hätten wir also nur gut 50 GB Datenvolumen pro Monat zur Verfügung, wohlwissend, dass die Regel eher für gelegentliche Reisen und nicht für einen Daueraufenthalt wie bei uns gedacht ist.
Wir haben uns deshalb für eine europaweite Flatrate beim Anbieter Holafly entschieden, die mit 128,90 EUR für 90 Tage ein gutes Preis-Leistungsverhältnis versprach. Zusätzlich haben Beate und ich jeweils einen Mobilfunkvertrag, bei denen unter Berücksichtigung der Fair-Use-Policy zumindest etwa 7 GB verfügbar wären. Als Auffangnetz, wenn die Verbindung über den Router nicht klappt, und wenn man fürs Navigieren, beim Wandern oder beim Einkaufen mal Internet braucht, ist das ein komfortables Polster und der in der Überschrift angesprochen „doppelte Boden“.
Was jetzt in der Folge aber alles schiefging, kann man sich nicht ausdenken.
Der Auslands-LTE-Vertrag kann nur für maximal 90 Tage gebucht werden, weshalb uns lange unklar war, ob wir ihn überhaupt verlängern könnten. Aber das war offensichtlich möglich. Doch kaum war der neue Vertrag für 128,90 EUR freigeschaltet und die eSIM über komplizierte Wege auf dem Router installiert, begannen die Probleme. Die Datenrate war extrem schlecht, was schon mal vorkommen kann und zunächst von uns über den „doppelten Boden“ aufgefangen wurde. Aber es wurde auch nach Ortswechseln und der Montage des Routers außerhalb des Zirkuswagens kaum besser. Zur Behebung des Problems fummelte ich mit Hilfe von ChatGPT an den Einstellungen des Routers, bis irgendwann alles verstellt war und ich ihn durch einen factory reset auf Null setzen musste. Dann begann das Spiel von vorn, mit kurzen Hoffnungsschimmern, anschließender Ernüchterung und erneutem Reset. Irgendwann war schließlich das Carrier-Profil zerschossen, so dass die eSIM zwar noch installiert schien, aber keine Verbindung mehr zum Internet aufbauen konnte.
Das wiederum hatte – ohne dass ich es ahnte – zur Folge, dass mein iPhone über den Router zwar offensichtlich Zugang zum Netz hatte, sich aber nichts tat, weshalb ich auf Anraten weiteres von ChatGPT die Netzwerkeinstellungen auf dem iPhone zurücksetzte, was nicht ohne Folgen blieb. Denn von nun an konnte ich auf dem Handy zwar noch telefonieren, aber die Inklusiv-Daten waren futsch.
Mittlerweile bekam ich von Holyfly eine neue eSIM, die ich aber nicht mehr in den Router, sondern in mein Handy installierte, weil ich inzwischen wusste, dass offenbar nur eine begrenzte Datenmenge über einen Router geteilt werden kann – 1 Gigabite pro Tag, obwohl wir einen unbegrenzten Vertrag haben. Da ist die Installation auf dem Router ja ein echtes Datengrab. Wer bitte denkt sich so etwas aus?? Und auch wenn das in der Vergangenheit nicht gezogen zu haben scheint, wollte ich kein Risiko eingehen und meine Flatrate zumindest auf dem Handy haben. Mit der Installation der Daten-eSIM auf dem Handy war ebenfalls das Problem gelöst, dass meine Inklusiv-Daten aus dem Handy-Vertrag nicht mehr gingen. Fatalerweise hatte ich das aber wenige Tage zuvor beim Anbieter bemängelt, der mir nun auf mein erneutes Drängen hin eine neue eSIM schickte und die alte schon mal abschaltete. Aber die Aktivierung der neuen eSIM war nicht möglich, denn diese lässt sich nicht im Ausland aktivieren, sondern nur in Deutschland!!! Und noch mal: wer denkt sich so etwas aus???
Ich müsste also jetzt mein Handy an eines unserer Kinder nach Deutschland schicken, damit sie es lediglich einmal im deutschen Netz aktivieren und es mir dann wieder zurückschicken. Da muss es doch wohl bessere Lösungen geben, liebe IT-Nerds! Ganz nebenbei hätte ich während dieser Zeit auch kein Internet, da ich ja jetzt die Daten-eSIM auf dem Handy und nicht mehr if dem Router habe. Das glaubt man doch alles nicht! Ich gebe zu, dass ich schon damals bei der Liberalisierung des Telefonmarktes nicht begriffen habe, warum Anrufe mit einer irrsinnig langen Provider-Vorwahl nichts kosteten, während die Telekom immer noch nach Einheiten abrechnete. Natürlich hat sich seit dem viel getan, und wir hätten uns wohl kaum träumen lassen, dass wir heute ein schnelles Internet über aus der Luft beziehen können. Aber der Tarifdschungel und vor allem der Konditionendschungel hat sich gar nicht verändert, nein, er ist vermutlich noch schlimmer geworden als zu Zeiten von Null-Zehn-Drei-Zehn.
Was ich eigentlich sagen will: Ausgerechnet heute bin ich unter der gewohnten Nummer nicht erreichbar, wie ärgerlich. Wer mich dennoch sprechen möchte, kann das zum Beispiel via Facetime tun oder auf Beates Mobiltelefon anrufen: 0176 21239998.
Für heute war es das.
Immer hübsch frei bleiben!

Oha!
Bei O2 kann man zwei Monate innerhalb eines Zeitraumes von vier Monaten in der EU die Fair-Use-Policy benutzen. Ich wusste, dass es kompliziert ist, aber ich habe nie verstanden, warum man als EU-Bürger die Simkarte eines anderen EU Landes braucht.
Jetzt, nach deinen Ausführungen hab ich’s verstanden warum eSIM Anbieter wie Holafly und Saily gibt.
Danke für den Beitrag!
Grüße aus der Hängematte
Martje und Florian